Von der Sterneküche ins Jugendheim


Von der Sterneküche ins Jugendheim

Wirt Neudert und seine Partnerin übernehmen das Jugendheim auf dem Miesberg. Sie setzen auf frische Küche ohne Firlefanz.

Von Reinhold Willfurth (Quelle: Mittelbayrische.de)

Markus Neudert und Lebensgefährtin Franziska Wilfahrt übernehmen zum 1. Januar 2016 das ehemalige Jugendheim. Foto: Schießl

SCHWARZENFELD.Aus den Sterneküchen, in denen er gearbeitet hat, bringt Markus Neudert vieles mit an seine neue Wirkungsstätte – nur zwei Dinge nicht: hohe Preise und überzogene Ansprüche. Stattdessen setzt der neue Wirt des „Restaurants Miesberg“, wie das ehemalige Jugendheim ab 1. Januar heißen wird, auf bayerisch-schwäbische Küche ohne Firlefanz, aber frisch und liebevoll zubereitet.

Für den 27-jährigen Koch aus Münsingen in der Schwäbischen Alb und seine Lebensgefährtin Franziska Wilfahrt aus Schwarzach, eine gelernte Hauswirtschafterin und Köchin, ist die Übernahme des Jugendheims eine Chance, das Beste aus zwei Welten zusammenzubringen: Ein urgemütliches bayerisches Wirtshaus wollen sie ihren Gästen bieten, in dem mit Pep und Raffinesse gekocht wird, und das zu zivilen Preisen. „Bei uns soll auch eine vierköpfige Familie zum Essen kommen können, ohne groß darüber nachzudenken, was das kostet“, sagt Neudert im MZ-Gespräch.

Trotzdem sind die beiden Neuen auf dem Miesberg so frei, bei ihren Speisen auf Qualität zu achten und zudem ein wenig frischen Wind in die Oberpfälzer Wirtshausküche zu bringen. Das liegt nicht nur daran, dass es neben den bayerischen Klassikern künftig auch schwäbische wie Maultaschen, Linsen oder eine Nachspeise mit dem charmanten Namen „Ofenschlupfer“ geben wird. „Wir wollen etwas Pep reinbringen“, sagt der junge Koch. Convenience-Produkte oder gar Fertigsoßen haben deshalb in den Kochtöpfen des Restaurants Miesberg Hausverbot.

Wenn also auf dem Miesberg Schweinebraten auf den Tisch kommt, dann wird er frisch zubereitet und nicht aufgewärmt – was bedeutet, dass es das bayerische Nationalgericht zwar regelmäßig, aber halt nicht immer und zu jederzeit gibt.

Dafür wollen die neuen Wirtsleute ihren Gästen künftig „tolle Produkte“ aus der Region anbieten, die vorzüglich schmecken, aber in Vergessenheit geraten sind. Neudert nennt zum Beispiel Topinambur oder „Urkarotten“. Was man halt zuhause nicht unbedingt so auf den Tisch bringe.

Pfarrer Heinrich Rosner, der den Verkauf des ehemaligen katholischen Jugendheims für die Diözese Regensburg managte, ist froh über den frischen Wind auf dem Miesberg: „Ich finde es gut, dass sich zwei junge Leute das zutrauen“, sagt Rosner. Das Risiko für die neuen Wirte schätzt der Pfarrer als überschaubar ein. Viele Vereine und Verbände halten in dem verkehrsgünstig gelegenen und mit vielen Parkplätzen ausgestatteten Gasthaus ihre Versammlungen ab. In der Umgebung gebe es auch kaum einen Saal in dieser Größe.